Rede von Rudolf Conrads, Vorsitzender der Stiftungsbeirates der Stiftung Lahn-Marmor-Museum, am 28. März 2026 zur Feier des 10 jährigen Bestehens des Lahn-Marmor-Museums in der Oberau 4
Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Freunde, Mitglieder, Beiratsmitglieder, Stifter, Kuratoriumsmitglieder und Förderer des Lahn-Marmor-Museumsliebe Mitstreiter in Sachen Lahnmarmor,
wenn ich nun über den Lahnmarmor und sein Museum zu Ihnen bzw. zu euch spreche, dann könnte ich beginnen mit dem Mitteldevon, in dem unser Marmor vor 380 Mio. Jahren entstanden ist. Ich könnte auch über die 400 Jahre Abbau des schönen Werksteins sprechen oder über die gut 30 Jahre von der Museumsidee bis zum heutigen Tag oder auch über die 10 Jahre unseres Lahn-Marmor-Museums in der Villmarer Oberau.
Dr. Bernold Feuerstein, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes, und ich als Vorsitzender der Stiftungsbeirates haben uns dafür entschieden, die 30 Jahre Museumsgeschichte aufzuteilen. Ich werde über die ersten 20 Jahre des Museums sprechen und er über die vergangenen 10 Jahre am heutigen Museumsstandort in der Oberau.
Gleich zu Beginn möchte ich feststellen, dass dies alles nur mit einer hohen Motivation, einem hohen Engagement und einem langen Atem möglich war. Dass wir heute mit Stolz auf eine Dekade eines richtigen Lahn-Marmor-Museums zurückblicken können, ist das Ergebnis besten bürgerlichen Engagements, das durch viele Personen, Organisationen und Institutionen unterstützt und gefördert worden ist.
Wenn ich im Folgenden Namen nenne und ein Dankeschön an einzelne Personen richte, so bitte ich diejenigen um Nachsicht, deren Name nicht erwähnt wird. Mein Dank gilt allen, die für unsere Sache in den letzten 30 Jahren gearbeitet haben.
Von Hermann Hesse stammt der Satz „Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen“. Und, wir haben das scheinbar Unmögliche versucht.
Lassen Sie mich nun in großen Schritten durch die Geschichte des Vereins und des Museums eilen:
Für mich persönlich beginnt alles im Jahr 1994: Infolge eines Besuchs als neues Vorstandsmitglied der KSK Weilburg beim Natursteinbetrieb Engelbert Müller in Villmar entwickelten die Weilburger Rotarier Klaus Gelbhaar – ehemaliger Leiter der VHS Oberlahn, Thomas Meuser – damals Geschäftsführender Gesellschafter von Engelbert Müller - und ich die Idee eines Museums für „Nassauische Steinkunst“. Wir drei konzipierten zunächst gut besuchte Wanderausstellungen, die in den Filialen der KSK Weilburg und in der Hessenklinik in Weilburg gezeigt wurden.
Hobbygeologe Axel Becker aus Schupbach stieß auf Hinweis von Lydia Aumüller zu unserer Gruppe hinzu.
Er berichtete uns von dem australischen Geologen Phil Playford, der zusammen mit Dr. Bender, weiteren Geologen und Studenten der Uni Marburg 1989 hier vor Ort war und die Einmaligkeit des Unicabruchs erkannt hatte: Ein mitteldevonisches Stromatoporenriff in Lebendstellung in ausgesprochen guter Qualität, das weltweit nur noch mit einem geologischen Aufschluss in Kanada und einem weiteren in Australien zu vergleichen sei.
Die Idee, ein Museum für Nassauische Steinkunst zu gründen, ergänzten wir folgerichtig um die Idee, gleichzeitig ein Museum für den Lahnmarmor ins Leben zu rufen. Hierzu wurden sehr positive Gespräche mit Bürgermeister Hermann Hepp und Ursula Alban, damals Vorsitzende des Kulturausschusses, geführt.
Am 11. September 1997 erfolgte die Gründung des Vereins Lahn-Marmor-Museum mit dem Ziel, Kunst, Bildhauerei, Geologie sowie die Marmortradition der Region unter einem Dach zusammenzuführen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Axel Becker und zum zweiten Vorsitzenden Thomas Meuser gewählt. Den Vorsitz des Kuratoriums übernahm der damalige Bürgermeister Hermann Hepp. Zu den 56 Gründern gehörte auch Metfried Prinz zu Wied, der dem jungen Verein einen Ausstellungsraum auf Burg Runkel anbot. Damit hatten wir schon am Gründungstag die Zusage für ein erstes kleines Museum.
Aus zeitlichen Gründen werde ich nicht eingehen auf die vielen Exkursionen, Vortragsveranstaltungen, Workshops zur Marmorbearbeitung, Filmbeiträge im Fernsehen, Veröffentlichungen, Fachvorträgen, wissenschaftliche Arbeiten, prominente und weniger prominente Besucher, Freundschaften zu Institutionen, anderen Vereinen und Museen. Das würde den zeitlichen Rahmen sprengen.
1998 wurde der Unica-Steinbruch zum Naturdenkmal erklärt und auf der Burg Runkel unsere erste Dauerausstellung eröffnet, die bis zum heutigen Tag existiert. Unser Dank gilt der Familie zu Wied für diese dauerhafte Unterstützung.
1999 eröffneten wir den Villmarer Lahn-Marmor-Weg. Von all den Personen, die an diesem Projekt mitgearbeitet haben, möchte ich den damaligen Vorsitzenden des Villmarer Verschönerungsvereins, Reinhard Kasteleiner, dankend erwähnen.
2001 erfolgte eine grundlegende Reinigung und damit verbunden auch eine Erschließung des Unica-Steinbruchs durch die Gemeinde Villmar mit Unterstützung des Landkreises. Vereinsmitglieder schliffen die untere Wand des Naturdenkmals. Der Bruch wurde überdacht und mit einem Zuweg versehen. Manch einer hat die Gemeinde und uns damals für verrückt erklärt, einen Steinbruch zu überdachen. Es war aber notwendig, um Witterungseinflüsse von der geschliffenen Fläche fernzuhalten und damit den dauerhaften Einblick in das Stromatoprenriff zu ermöglichen. An dieser Stelle möchte ich stellvertretend für viele Mitstreiter Gerhard Höhler dankend erwähnen.
2001 erhielt der Verein – 4 Jahre nach seiner Gründung - den Hessischen Denkmalschutzpreis. Unsere Bemühungen erfuhren damit eine erste öffentliche Belobigung.
2002 präsentierten auf einer 1000 Quadratmeter großen Ausstellung im Frankfurter Flughafen den Marmor von der Lahn.
2003 entwarfen Architekturstudenten der Fachhochschule Mainz Museumsmodelle für einen Museumsstandort am Bahnhof.
2004 unterbreitete uns die Gemeinde Villmar ein Angebot, im alten Bauamt ein Museum einzurichten.
2005 erfolgte die Eröffnung des Museums am Brunnenplatz, das von uns bis zum Umzug in das heutige Museum betrieben wurde. Dank der Exponatespenden konnten wir das Museum gut bestücken. Stellvertretend seien die Spender Wolfgang Höhler und Thomas Meuser genannt.
2005 wurde der Unica-Steinbruch nicht zuletzt dank der Bemühungen von Prof. Thomas Kinbauer zum Nationalen Geotop erklärt. Seit dem zählt der Unica-Bruch zu den bedeutendsten geologischen Aufschlüssen in Deutschland.
2005 stellten wir im damaligen Essener Ruhrlandmuseum, dem heutigen Ruhrmuseum, den Marmor von der Lahn aus. Nicht zuletzt dank vieler Unterstützer war diese Ausstellung ein großer Erfolg. Unser Dank gilt hier unserem Kuratoriumsmitglied Ulrike Stottrop aus Essen für die Einladung zur Ausstellung in Ihr Museum und vielen Sponsoren aus Essen. So baute die Schreinerei Quadrino unsere Vitrinen, die bis heute Kern unserer Dauerausstellung sind.
2006 kam es zu einem Wechsel im Vereinsvorsitz. Volker Klemens, ein Rotarier aus Weilburg, wurde neuer Vorsitzender. Gerne nutze ich die Gelegenheit ihm besonders zu danken, denn unter seinem Vorsitz wurde der Museumsneubau errichtet.
Auch Wolfgang Behr ist zu danken, der seit Anbeginn als Schatzmeister Mitglied des geschäftsführenden Vereinsvorstandes ist. Mein Dank gilt auch Ingrid Pohl, die über Jahre unser kurzer Draht ins Rathaus war.
2008: 10 Jahre nach dem ersten Besuch in unserem damaligen Ideal-Museum, dem Baumberger Sandsteinmuseum in Havixbeck bei Münster, zeigten wir dort die Ausstellung „Marmor von der Lahn“.
2009 legte die Politik ein Konzept für den „GeoPark Westerwald-Lahn-Taunus“ vor. Als Motto des GeoParks wurde der Slogan ausgewählt: „Wo Marmor, Stein und Eisen spricht und der Ton die Musik macht“. Mit diesem Motto des GeoParks können wir bis heute gut leben. Dieses Entwicklungskonzept gab dem Vereinsvorstand den Anstoß, ein Museumskonzept zu erarbeiten. Dieses Konzept hatte offensichtlich so überzeugt, dass die Gemeindevertretung für einen Museumsneubau 200.000 Euro aus einem Schulverkauf zur Verfügung stellte.
2010 wurde auf Wunsch des Landes Hessen ein Architektenwettbewerb für ein „Geoinformationszentrum“ in Villmar durchgeführt. Infolge des Wettbewerbs erteilte das Land Hessen eine Förderzusage aus dem EU Programm EFRE in Höhe von 470.000 Euro für einen Museumsneubau.
2012 wurde Arnold Richard Lenz zum Bürgermeister gewählt. Er unterstützte das Projekt Lahn-Marmor-Museum von Anfang an, so dass die Planungen für ein Museum mit dem Limburger Architekten André Kramm fortgeführt werden konnten.
Diese mündeten 2012 in folgenden Beschluss der Gemeindevertretung: "Die Gemeindevertretung beschließt, sich beim Bau eines Lahn-Marmor-Museums mit 200.000,00 Euro zu beteiligen und die Kosten der Bauleitplanung zu übernehmen."
2013 wurden die Gewerke für ein Museum mit einer Ausstellungsfläche von 600 Quadratmetern in der Oberau ausgeschrieben.
Im Januar 2014 erfolgte dann unter großer Beteiligung der Villmarer Bevölkerung die Grundsteinlegung. Dank großzügiger Geld- und Sachspenden einiger Sponsoren aus der heimischen Wirtschaft konnte der Bau mit Unterstützung der Gemeinde Villmar und des Landes Hessen in der Folgezeit errichtet und finanziert werden. Hier sind stellvertretend für viele besonders dankend zu erwähnen die heutigen Altbürgermeister Hermann Hepp und Arnold Richard Lenz sowie die Unternehmen Albert Weil aus Limburg, Schaefer Kalk aus Diez, die KSK Weilburg, die Volksbank Mittelhessen und die Bauunternehmung Feickert aus Gaudernbach.
Zum Museumskonzept gehörte auch die Idee, dass Träger des Museums eine Stiftung sein sollte. So wurde 2015 die „Stiftung Lahn-Marmor-Museum“ gegründet. Das oberste Stiftungsgremium, der Stiftungsbeirat, den ich seit nunmehr 11 Jahren leite, ist paritätisch mit fünf Gemeindevertretern und fünf Vertretern des Museumsvereins besetzt. In den ersten Stiftungsvorstand wurden Hermann Hepp als Vorstandsvorsitzender sowie Dr. Bernold Feuerstein und Sybille Kahnt als weitere Vorstandsmitglieder gewählt.
Zum Jahresende 2015 wurde das Museumsgebäude vom Bauherrn Gemeinde Villmar auf die Stiftung Lahn-Marmor-Museum übertragen. Der damals festgestellte Wert des Museums lag bei knapp 1,1 Mio. Euro. Hiervon wurden eingebracht 31 % von der Gemeinde Villmar in Form von Zuschüssen und der Übertragung des Museumsgrundstücks38 % vom Land Hessen in Form von EFRE-Mitteln der Europäischen Union8 % von Sponsoren mit Spenden und Sachleistungen und schließlich23 % durch den Museumsverein über Direktinvestitionen, Eigenleistungen und eingebrachte MuseumsinfrastrukturWas die Eigenleistungen anbelangt, so möchte ich stellvertretend für die vielen Mitwirkenden Gerold Alban und Uli Belz nennen. Es war großartig, was ihr hier geleistet habt. Insgesamt wurden fast 3.800 Stunden für die Eigenleistungen erbracht.
Sie werden sich vielleicht fragen, warum wir eine Stiftung als Träger des Museums gegründet haben. In der Stiftung sind der Museumsverein und die Gemeinde Villmar paritätisch vertreten. Unsere Stiftung ist gemeinnützig. Spenden und Zustiftungen sind möglich und erwünscht, natürlich auch jetzt und heute. Letztlich gehört eine Stiftung sich selbst und ist auf Dauer angelegt – also quasi auf ewig.
Am 20. März 2016 konnten wir mit einem großen Fest und vielen, vielen Gästen das heutige Museum eröffnen. Manch einer von Ihnen wird sich noch daran erinnern. Der Andrang war so groß, dass der Verkehr in Richtung Museum zusammengebrochen war.
Ich möchte diesen Teil der Museumsgeschichte beschließen mit einem Zitat des britischen Politikers Benjamin Disraeli: „Das Geheimnis des Erfolgs, ist die Beständigkeit des Wollens.“ Und dieses Wollen ist bei uns im Museum nach wie vor auf einem hohen Niveau.
Nun übergebe ich gerne das Wort an den heutigen Vorsitzenden des Stiftungsvorstandes Dr. Bernold Feuerstein.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit






