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„Natura Trail“ zwischen Villmar und Aumenau eröffnet

Einzigartige Kooperation von Naturfreunden und Stiftung Lahn-Marmor-Museum

Die Lahnhänge zwischen Aumenau und Villmar sind jetzt offiziell Teil der europaweiten „Natura 2000“ - Netzwerke von Schutzgebieten zum Erhalt biologischer Vielfalt. Die Naturfreunde Hessen und die Stiftung Lahn-Marmor-Museum haben den auch erdgeschichtlich bedeutsamen Wanderweg als vierten „Natura Trail“ in Hessen am Sonntag, 18.Juni 2017 feierlich eröffnet.
Vor über 50 Besuchern und Wanderfreunden enthüllten der Erste Kreisbeigeordnete Helmut Jung und der Vorsitzende der Naturfreunde Hessen, Jürgen Lamprecht, mit Altbürgermeister Hermann Hepp, Stiftungsvorsitzender, die neue Informationstafel am Lahn-Marmor-Museum.
Sie fordert auf, eine „wunderbare Landschaft zu erleben“ (Jung), die „Schätze der Region zu entdecken und auf ihre Ausstellung neugierig zu machen“ (Hepp) und den „Tourismus als neues wirtschaftliches Feld zu nutzen“ (Bürgermeister Arnold-Richard Lenz).

Moderator Bernold Feuerstein, Mitglied des Stiftungsvorstandes, begrüßte weitere Vertreter aus Politik, Forstbehörden, die Förderer des Natur- und Vogelschutzes, zahlreiche Wanderfreunde und die fleißigen Organisatoren und Helfer vom Museumsverein. Jürgen Lamprecht dankte besonders Bernd Dresen und Bernold Feuerstein für die inhaltliche Gestaltung des Flyers zum „Natura Trail“ und seinem Projektleiter Rainer Gilbert sowie den „verdienten Mitarbeitern“ des Naturfreundehauses Villmar, Helmut Hübinger, Bernd Hörle und Dorette Behr. In Deutschland gebe es inzwischen über 100 Trails als Teil der „Natura 2000“, über 27 000 europäische Schutzgebiete zur Erhaltung gefährdeter oder typischer Lebensräume und Arten, fast 20% der Fläche der EU. Zehn Trails sollen es in Hessen bis Ende des Jahres werden. Schirmherrin ist Umweltministerin Priska Hinz, zuständig für die umfangreiche finanzielle Projektförderung des Landes. Hessenforst Bereichsleiter Michael Kampmann machte in einem Fachvortrag auf die Erfordernisse eines pragmatischen Naturmanagements aufmerksam und lenkte angesichts der bedrohlichen weltweiten Umweltgefahren trotzdem den Blick auf die Bedeutung des Artenschutzes in der Region: „Seien Sie ruhig etwas schlampiger im Garten!“ Er plädierte für den Erhalt der Kleinstbiotope und der Artenvielfalt, wie sie gerade auch in den Lahntalhängen nach der jahrhundertelangen Nutzung durch den Abbau von Bodenschätzen entstanden sind. Diese Zusammenhänge beschreibt auch der Flyer, in „enger, konstruktiver und harmonischer Kooperation“ (Rainer Gilbert) zwischen den Naturfreunden Hessen, der Stiftung Lahn-Marmor-Museum und dem Förderverein Natur- und Vogelschutz detailreich erarbeitet und mit anschaulicher Wegbeschreibung versehen. Er ist im Museum erhältlich und wird in Rathäusern, Gaststätten und Fremdenverkehrseinrichtungen des Landkreises ausliegen.

Am Eröffnungstag ist Bernold Feuerstein Wanderführer, Geologe und Historiker gleichermaßen. Er führt die Gruppe der Wanderfreunde nach einer kurzen gemeinsamen Bahnfahrt nach Aumenau auf dem neuen circa neun Kilometer langen „naturnahen Wanderweg“ zurück nach Villmar. Er sieht und zeigt die Marmorbrocken im Waldweg, den alten Marmorbruch „Spitzwinkel“, den alten Kalksteinbruch „Auerberg“, die Reste gebrannten Kalks, im Wurzelwerk vom Sturm gefällter Bäume zum Vorschein gekommen, die Erhebungen im Gelände, wo die Ringöfen vergangener Lahnkalkwerke standen. Er weiß in wild überwucherten Steinbrüchen sogar Reste von Fossilien zu entdecken. Die bei hochsommerlichen Temperaturen angenehm schattigen Waldpfade geben immer wieder den Blick frei auf die Lahn, den Lahntalradweg und das Naturfreundehaus am anderen Ufer, auf die Schienen der Lahntalbahn, die stündlich vorbeirauscht. Feuerstein erzählt am Arfurter Bahnhof, dass dieser eigentlich einmal als Güterbahnhof für den Abtransport der Bodenschätze gebaut wurde. Die Wanderer erfahren vom Naturschutzgebiet „Arfurter Felsen“, von Brucharealen als Bruthabitat des Uhus, identifizieren Schmetterlinge und Eisvögel und erleben, wie ein Schwan auf der Lahn fauchend seine Familie mit sechs jungen Küken gegen Bootsfahrer verteidigt.
Nach einem kurzen Anstieg zum Arfurter Sportplatz kommt den Wanderern das Pfarrfest gerade recht, um sich eine Pause mit gekühlten Getränken oder Kaffee und Kuchen zu gönnen. Später zeigt ein Blick in die Ortskirche, auch hier wurde Villmarer Marmor für Taufbecken und Altarraum verwendet.
Schließlich geht es vorbei am „ESV Jugend- und Wanderheim“ über Wiesenwege mit Blick zurück auf die Arfurter Lahnschleife zum Ziel, dem Geoinformationszentrum Lahn-Marmor-Museum. „Wir sehen nur, was wir kennen!“, wusste Goethe. Wanderer können auf dem Villmarer „Natural Trail“ ihre Heimat wieder völlig neu sehen lernen und in der Schönheit der Naturlandschaft geheimnisvolle Spuren einer vergangenen Industriekultur entdecken.

Fotos & Text von Jürgen Weil